Die letzte Runde ist gespielt, heute Abend steht noch die Schlussfeier an. Als Team konnten wir uns unter 33 Nationen einen starken 7. Platz sichern. Darauf dürfen wir stolz sein. Vor allem unsere Girls haben während der ganzen Woche grossartiges Golf gespielt und einen entscheidenden Beitrag zu diesem tollen Teamergebnis geleistet.
Ich selbst habe mich die ganze Woche durchgekämpft, sodass meine Resultate am Ende trotzdem für das Team zählten und nie als Streichresultat gewertet wurden. Darüber bin ich natürlich froh. Trotzdem bin ich mit meinem persönlichen Turnier überhaupt nicht zufrieden. Ich wollte deutlich mehr zum Teamerfolg beitragen. Warum das nicht gelungen ist, dazu komme ich gleich.
Persönlich bin ich mit einem ganz klaren Ziel nach Valencia gereist: Ich wollte Einzel-Europameister werden. Nach der U18-Team-Europameisterschaft in Jerez wusste ich, dass sowohl für mich persönlich als auch mit dem Team extrem wenig zu einem ganz grossen Erfolg gefehlt hatte. Genau das hat mir gezeigt, wie schmal der Grat zwischen einem guten Resultat und einem ganz grossen Erfolg auf diesem Niveau ist.
Dieses Ziel habe ich in Valencia verpasst. Ich kam während der ganzen Woche nie richtig ins Turnier. Irgendwie fehlte von Anfang an das letzte bisschen Frische, und ich fand nie zu meinem gewohnten Spiel. Ein grosser Faktor dafür war sicher meine Turnierplanung vor diesem Saisonhöhepunkt. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung. Ich wollte diesen Plan genau so – deshalb sind das keine Ausreden, sondern eine wichtige Erkenntnis für die Zukunft.
Die wichtigste Erkenntnis nehme ich trotzdem mit: Rückblickend hätte ich meine Saison vielleicht etwas anders planen müssen. Im Nachhinein ist man natürlich immer etwas schlauer. Vor einem Saisonhöhepunkt weiss man nie genau, wie Körper und Kopf auf die Belastung der vielen Turniere reagieren werden. Genau deshalb ist eine Turnierplanung auf diesem Niveau alles andere als einfach.
Vielleicht wäre es besser gewesen, bereits auf ein oder zwei Turniere wie die Swiss Open oder Crans-Montana zu verzichten, um mit vollen Batterien nach Valencia zu reisen. Gleichzeitig sind das Turniere, die man als Schweizer nur sehr ungern auslässt – vor allem ein Heimturnier oder ein Start in Crans-Montana. Deshalb habe ich mich bewusst für diesen Weg entschieden.
Die Erkenntnisse der letzten Wochen geben mir aber gleichzeitig sehr viel Selbstvertrauen. In Sion konnte ich die West Championships mit zehn unter Par abschliessen. Und auch in Jerez beendete ich die U18-Team-Europameisterschaft auf einem Championship Course mit sieben unter Par. Diese Resultate zeigen mir, dass ich auf diesem Niveau ganz vorne mitspielen kann und dass sehr viel möglich ist.
Sie zeigen mir aber auch etwas anderes: Um mein absolutes Topniveau abrufen zu können, muss einfach alles zusammenpassen. Körper, Kopf und Energie müssen vom ersten bis zum letzten Schlag bei 100 Prozent sein. Nur dann kann ich mein bestes Golf spielen.
Nach der U18-Team-Europameisterschaft in Jerez hätte ich den Mut haben müssen, die Schweizer Meisterschaften auszulassen und meinem Körper sowie meinem Kopf eine Woche Erholung zu geben. Die intensive Woche in Jerez hatte viel Energie gekostet. Halb leere Batterien reichen auf diesem Niveau einfach nicht. Hier spielen zum Teil absolute Weltklassespieler – da muss man vom ersten bis zum letzten Schlag bei 100 Prozent sein.
Trotzdem bin ich froh, dass ich mich nicht unterkriegen liess und das Turnier im Mittelfeld beenden konnte. Ich habe gekämpft, auch wenn ich mental nicht auf meinem normalen Niveau war. Dadurch habe ich einige schlechte Entscheidungen getroffen und bin in eine negative Spirale geraten. Im Golf ist es extrem schwierig, aus einer solchen Spirale während eines Turniers wieder herauszukommen. Das gehört dazu. Keine Ausreden – in dieser Woche hat es einfach nicht gereicht.
Heute in der Schlussrunde fühlte ich mich zum ersten Mal während der ganzen Woche wieder richtig frisch und entspannt. Vielleicht, weil ich innerlich bereits etwas abschalten konnte und mich auf die bevorstehenden Ferien freue. Trotzdem habe ich heute vier grosse Fehler gemacht – vier verlorene Bälle, die mich insgesamt acht Schläge gekostet haben. Am Ende stand trotzdem eine Runde von drei über Par.
Das zeigt mir einerseits, dass mein Grundniveau auch an einem schwierigen Tag noch stimmt. Andererseits zeigt es aber auch, wie brutal Golf auf diesem Niveau ist. Wenn der Kopf nicht mehr ganz frisch ist, passieren genau diese Fehler – und sie werden sofort bestraft. Genau diese Erkenntnis nehme ich aus dieser Woche mit.
Jetzt heisst es: Batterien komplett aufladen. Eine Woche lang werden die Golfschläger versteckt. Danach geht es für eine Woche ans Meer auf Kreta. Anschliessend wird wieder intensiv trainiert, bevor ich mich vom 9. bis 15. August in Schottland der nächsten grossen Herausforderung stelle – der British Boys Amateur Championship. Dann möchte ich wieder als ein Jonas an den Start gehen, der zu 100 Prozent bereit ist.
Zum Schluss durfte ich nach meinen gespielten Runden Clarissa Rattaggi als Caddy begleiten. Umso mehr hat es mich gefreut, dass sie mit einem hervorragenden 5. Platz ein absolutes Topresultat erreicht hat.
Ein herzliches Dankeschön an Morgan und Nora. Beide haben mich an den beiden Europameisterschaften unglaublich gut begleitet und immer genau gespürt, was ich in den entscheidenden Momenten gebraucht habe. Dafür bin ich ihnen von Herzen dankbar. Ich durfte in diesen beiden Wochen unglaublich viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Ich bin sicher, dass mich diese Erfahrungen in Zukunft definitiv weiterbringen werden.
Ich habe in den letzten Wochen sehr viel erlebt und wieder enorm viel gelernt. Manchmal muss man akzeptieren, dass es einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt ist. Entscheidend ist, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und stärker zurückzukommen.
Und eines verspreche ich euch: Ich werde alles dafür tun, dass der Tag kommt, an dem ich zeigen kann, dass auch ein Schweizer zu den besten Golfern Europas und der Welt gehören kann. Mein Weg hat gerade erst begonnen – und ich werde jeden Tag hart dafür arbeiten, diesem Traum ein Stück näher zu kommen.
Ich weiss, viele denken, dass es schon etwas Besonderes ist, an solchen Turnieren dabei zu sein. Und ja, ich schätze das sehr. Aber ich reise nicht an solche Turniere, um nur dabei zu sein. Ich reise an, um zu gewinnen.
Dieses Ziel habe ich diesmal nicht erreicht. Umso grösser ist meine Motivation, noch härter zu arbeiten und stärker zurückzukommen.
Danke euch allen für die grosse Unterstützung.
Bis bald!
Euer Jonas

