Newsletters | 2021 | August

Aktuelle Fragen und Antworten zum World Handicap System

 

Das Word Handicap System fasst sechs Handicapsysteme zusammen

Liebe Mitglieder

Gerne möchte ich euch die wichtigsten Informationen zum World Handicap System 2020 abgeben:

Video für ‘Lese-Muffel’:          https://www.whs.com/articles/2019/basis-of-handicap-calculation.html

Übersicht für Schnellleser:

– WHS-Einführung in der Schweiz per Spielsaison 2021
– Swiss Golf: Neue CH- Datenbank, neue Software (golfbox)
– HCP Vorgabe ist neu WHI (Worldhandicap-Index)
– WHI Berechnung: Differential aus bereinigten Brutto-
ergebnissen pro Runde, max. «Netto-Doppel-Bogey» pro Loch
– Initialer WHI: Durchschnitt der 8 besten aus den letzten 20
– WHI / Differential Formel:  (Score – CR) x 113 / SR
(Bsp.: Wylihof, Men back tees:  (85 – 74) x 113 / 134 = 9.3 )

Warum wird das World Handicap System eingeführt?

Golf ist ein globaler Sport, der weltweit mit einheitlichen Regeln, einheitlichen Bestimmungen für Schläger und Ausrüstung und einem einheitlichen Statut für Amateurspieler ausgeübt wird. Auf Initiative von USGA und The R&A gibt es ab 2020 mit der Einführung des World Handicap Systems (WHS) auch ein einheitliches System für die Berechnung der Handicaps. Das WHS ist entstanden durch die Zusammenarbeit von The R&A, USGA, European Golf Association (EGA) und CONGU sowie den Golfverbänden von Australien, Südafrika und Argentinien und wird nun alle Systeme zu einem Einzigen vereinen, das

  • Golfspielern mit unterschiedlicher Spielstärke ermöglicht, auf fairer und gerechter Basis in jedem Format und auf jedem Platz weltweit zu spielen und in Turnieren gegeneinander anzutreten,
  • leicht zu verstehen und umzusetzen ist, ohne auf Genauigkeit zu verzichten,
  • die unterschiedlichen Bedürfnisse und Erwartungen von Golfern, Golfclubs und Nationalverbänden, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Golfkulturen erfüllt.

Wann wird das World Handicap System in der Schweiz eingeführt?

In der Schweiz wird das World Handicap System (WHS) ab der Spielsaison 2021 eingeführt. Bis dahin gilt das bisher bekannte EGA-Vorgabensystem vollumfänglich weiter. Weltweit wird das WHS ab der Spielsaison 2020 eingeführt, jedoch nicht jedes Land wird zu diesem Zeitpunkt bereits die neuen Regelungen umsetzen. Für die Schweiz wurde entschieden, dass die Saison 2020 noch genutzt werden soll, um die Einführung für alle Beteiligten bestmöglich vorzubereiten und somit 2021 einen reibungslosen Einstieg sicherzustellen.

Warum führt die Schweiz das World Handicap System erst 2021 ein?

Die Umstellung vom bisherigen EGA-Vorgabensystem zum World Handicap System (WHS) erfordert eine Vielzahl von vorbereitenden Massnahmen. Anders als beispielsweise in den USA, wo es seit Jahrzehnten ein Handicapsystem gibt, das dem WHS ähnelt, ist der Schritt in Europa sehr viel gravierender. In Europa wurden Handicaps bisher nicht nach einem Durchschnitts-System ermittelt. Von daher sind die Umstellungsprozesse sehr viel grösser als in den USA. Dennoch gibt es auch in Europa Nationen, die bereits im Jahr 2020 zum WHS umstellen.

In der Schweiz handelt es sich bei dieser Umstellung um weit mehr als nur das neue HCP-System. Es geht um eine neue IT-Architektur (zentrale Datenbank) bei Swiss Golf, ein neues Server- und Outsourcing-Konzept, eine neue zentrale Software-Lösung (bisher PC Caddie neu golfbox), die Schnittstellen zu den heutigen Clubverwaltungs-Systemen und die Integration der neuen Swiss Golf WebSite.

Welche Länder neben der Schweiz werden ab 2021 das World Handicap System einführen?

Neben der Schweiz werden die Niederlande, Deutschland, Österreich, Dänemark, und Belgien diesen Schritt auch erst im Jahr 2021 gehen. Auch die Länder des heutigen CONGU-Handicapsystems, England, Schottland, Wales, Nordirland und Irland, werden erst in 2021 das World Handicap System einführen.

Was passiert, wenn ein Schweizer Golfspieler 2020 in einem Land spielen möchte, welches bereits das World Handicap System eingeführt hat?

Bis alle Länder das World Handicap System (WHS) eingeführt haben, gibt es statt der bisherigen sechs unterschiedlichen Systeme, eben sieben. Bisher konnte ein Spieler mit einer Swiss Golf-Vorgabe jederzeit in einem Land Golf spielen, wo das EGA-Handicapsystem keine Anwendung fand (bspw. in Großbritannien, wo es das CONGU-System gibt). An diesem Grundsatz wird sich nichts ändern.

Die Swiss Golf-Vorgabe wird auch in 2020 überall als vollwertiges Handicap akzeptiert. Wenn heute ein Schweizer Spieler mit einer Swiss Golf-Vorgabe nach England reist, wird diese gemäss den Regelungen in England zur Ermittlung einer Spielvorgabe herangezogen. Gleiches passiert heute schon, wenn ein Spieler in die USA reist. Dann wird seine Swiss Golf-Vorgabe gemäss den amerikanischen Regelungen zur Ermittlung einer Spielvorgabe herangezogen. Dies wird so bleiben, egal wo man spielt.

Mit welcher Formel kann man seine Swiss Golf-Vorgabe in einen World Handicap Index umrechnen?

Es gibt keine Formel, die aus einer Swiss Golf-Vorgabe einen World Handicap Index (WHI) machen kann, da die Berechnungsgrundlagen in beiden Systemen völlig unterschiedlich sind. Während in unserem heutigen System, die bestehende Vorgabe anhand des letzten Ergebnisses in Zehntelschritten angepasst wird, betrachtet das World Handicap System (WHS), die Gesamtheit der letzten 20 Ergebnisse, und bildet aus den besten acht Ergebnissen einen Mittelwert.

Das bedeutet, dass es passieren kann, dass zwei Spieler mit identischer Swiss Golf-Vorgabe zukünftig unterschiedliche WHI erhalten, je nachdem, wie sich jeweils die besten acht Ergebnisse aus den letzten 20 darstellen.

Zählen private Runden mit meinen Freunden für mein Handicap?

Private Runden sind in der Schweiz nur dann Handicap wirksam, wenn sie zuvor beim Sekretariat des Clubs angemeldet wurden (EDS-Karten). Diese Entscheidung wurde von Swiss Golf in Einklang mit der bisher bestehenden Regelung getroffen.

Wie ist meine zukünftige Handicap Kategorie? Gibt es weiterhin verschiedene Handicap Kategorien?

Im WHS wird es keine Handicap Kategorien mehr geben. Swiss Golf hat entschieden die Handicaps von Spielern mit einem Handicap Index unter -2.0 regelmässig zu beobachten. Änderungen dieser Handicaps durch die Handicap Komitees der Clubs sind nicht zulässig.

Wie wird mein jetziges Handicap für das World Handicap System konvertiert?

Nach wie vor ist das Handicap Ausdruck der Spielstärke eines Golfers und soll sein Spielpotenzial so genau wie möglich widerspiegeln. Im World Handicap System (WHS) heisst dieser Wert zukünftig World Handicap Index (WHI). Der WHI hat eine andere Berechnungsgrundlage als die heutige Vorgabe. Somit ist auch zu erwarten, dass im Regelfall, der WHI vom Wert her nicht der heutigen HCP-Vorgabe entspricht.

Der WHI errechnet sich, indem der Durchschnitt der besten acht Ergebnisse aus den letzten zwanzig handicap-relevanten (heute: vorgabenwirksamen) Runden gebildet wird.

Hat ein Spieler weniger Ergebnisse, wird eine kleinere Anzahl zur Ermittlung des WHI herangezogen. Hat ein Spieler gar keine Ergebnisse in seinem Stammblatt, wird seine bisherige HCP-Vorgabe auch sein zukünftiger WHI sein.

Wie wird der neue WHI initial ermittelt

Ein Handicap-Index wird auf der Grundlage eines einfachen Durchschnitts der besten acht der letzten zwanzig Ergebnisse auf der Grundlage der «bereinigten Bruttowerte» berechnet.

Ein bereinigter Bruttowert wird ermittelt, indem der Maximalwert für ein Loch auf das Nettopar plus zwei Schläge («Netto-Doppel-Bogey») begrenzt wird. Diese Wertungsgrenze ist Golfern, die ein Stableford-Format spielen, vertraut und gilt nun für alle Spielformen. Wenn einem Spieler ein Schlag (Strich) auf ein Par-5-Loch zusteht, beträgt die maximale Lochpunktzahl 5+1+2 = 8. So werden zukünftig «gestrichene» Löcher gewertet.

Für alle Ergebnisse werden also die Bruttowerte errechnet und dann die Differentials ermittelt, aus welchen dann das aktuelle WHI berechnet wird:

Wie alt dürfen die Ergebnisse maximal sein, damit sie bei der Konvertierung Berücksichtigung finden?

Das World Handicap System (WHS), anders als das heutige EGA-Vorgabensystem, wird mehr die aktuelle Spielfertigkeit reflektieren als historische Leistungen widerspiegeln. Von daher werden sehr weit zurückliegende Ergebnisse nicht zur Konvertierung herangezogen. Wie lange exakt zurückgeblickt wird, ist im Moment noch Gegenstand von Beratungen zwischen den Nationalverbänden und der World Handicap Authority (zuständig für das WHS). Swiss Golf teilt die Idee, dass man nicht länger als vier Jahre zurückblicken sollte bzw. hat geplant Ergebnisse bis maximal 2018 zu berücksichtigen.

Es werden ohnehin nur dann ältere Daten (bis 2016 zurück) herangezogen, sofern es erforderlich wird, um auf 20 Ergebnisse zu kommen. Eine Mehrheit der Schweizer Golfspieler wird jedoch aus den zu betrachtenden Jahren weit weniger als 20 Ergebnisse vorweisen können. In diesem Falle wird die aktuelle HCP-Vorgabe zu einem Ergebnis umgewandelt (jüngstes Ergebnis), welches als eine Art «Anker-Ergebnis» für die folgenden 20 Runden im Stammblatt erhalten bleibt und bei der Kalkulation des World Handicap Index berücksichtigt wird (es wird meist zu den acht besten Ergebnissen gehören).

Ändert sich mein Handicap Index jedes Mal wenn ich ein Turnier spiele?

Die Neuberechnung des Handicap Index erfolgt jeweils sofort nach Abgabe eines handicap-wirksamen Ergebnisses. Da der Handicap Index aus dem Durchschnitt von 8 Ergebnissen berechnet wird, gibt es jedoch bei einem neuen Ergebnis nicht zwangsläufig einen neuen Handicap Index. Der Effekt von einzelnen Ergebnissen wird geglättet. Der Handicap Index bietet eine bessere Aussagefähigkeit über das spielerische Potential, weil nicht nur das letzte erzielte Ergebnis eine Auswirkung auf den Index hat.

So oder so… die Golfsaison 2021 wird kommen und mit ihr das neue World Handicap System auch in der Schweiz!

Sportliche Grüsse

Daniel Gauch, Captain Golfclub Wylihof